MEINE GESCHICHTE - MEIN WEG

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10 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs kam ich auf die Welt.

Einige Jahre zuvor hatten sich zwei hübsche junge Menschen, die den Krieg, die Bomben, die Kinderlandverschickung, den Hunger und das Leid überlebt hatten ineinander verliebt. Sie beschlossen zu heiraten und bald danach auch ein Kind zu bekommen. Die Ehe begann traurig, die Braut heiratete in schwarzem Kleid, da kurz zuvor ihre ältere Schwester verstorben war.Trotzdem beschlossen sie optimistisch in ihr neues Leben zu gehen, ich kam auf die Welt, die Wirtschaftswunderjahre waren da und eine goldene Zukunft schien auf uns zu warten.

Meine Schwester kam 6 Jahre später dazu. Ich verbrachte viel Zeit bei meiner Oma und meinem Opa, die in einer Zechensiedlung lebten. Der jüngere Bruder meiner Mutter, Elmar, verbrachte viel Zeit mit mir und ich begann, unter seiner Anleitung zu malen. Ansonsten war ich damit beschäftigt zur Schule zu gehen, im Garten und im Wald unterwegs zu sein, zu lesen, noch mehr zu lesen und mit Rutschpartien auf den Kohlehalden meine Kleidung zu ruinieren.

Ich malte, soviel ich konnte und lernte voller Begeisterung alles was ich von meinem Onkel lernen konnte. Klingt nach einer schönen Kindheit, war es auch. Traumatische Erfahrungen und viele Krankenhausaufenthalte, Operationen und eine Nahtoderfahrung gehörten auch dazu. Aber ich fühlte mich aufgehoben und beschützt. Ich war bei meinen Großeltern und malte, las und genoss ihre Liebe.

Die Wirtschaftswunderjahre bescherten meinen Eltern bescheidenen Wohlstand, mein Vater stieg beruflich und gesellschaftlich auf. Meine Mutter war eine Dame, eine richtige Dame und unermüdlich damit beschäftigt uns Kinder zu wertvollen Menschen zu machen. Ich sah ihr gern beim schminken zu oder wenn sie sich ihre Haare zu einem Bienenkorb hochsteckte. Und ich malte.
Die Wirtschaftswunderjahre bescherten uns nun auch ein eigenes Haus. Weit weg von meinen Großeltern, die ich nun nur noch mit stundenlangen Fahrten mit Bus und Bahn erreichen konnte. Zu der Zeit war ich 14, hatte einen eigen kleinen Fernseher in meinem Zimmer und entdeckte das klassische Ballett für mich. Nicht das ich nun angefangen wäre zu tanzen. Ich zeichnete jeden Abend, Bewegungsstudien. Rudolf Nurejew war großartig!

Ausgerüstet mit Farben, Stiften und Papier hätte nun alles wunderbar sein können.War es aber nicht.Meine Mutter erkrankte schwer. Schrumpfnieren und Krebs bestimmten unser Leben, Das war zu einer Zeit als man das Wort Krebs nur hinter vorgehaltener Hand aussprechen durfte. Bestrahlung, Dialyse und Chemotherapie bestimmten nicht nur den Tagesablauf. Sie brachten unsere ganze Familie langsam um. Meiner Mutter ging es mit den ganzen Behandlungen sehr schlecht, mein Vater war mit der Situation komplett überfordert, da er mittlerweile in leitender Position tätig war fehlte ihm die Zeit sich zu kümmern.
Über Ängste wurde nicht gesprochen. Meine Mutter landete im Rollstuhl. Wir Kinder fühlten uns schuldig.

 Ich malte, ich hatte die Ölfarben für mich entdeckt. In unserer Nähe entdeckte ich durch Zufall ein Atelier, eine große umgebaute Schule in deren Außenbereich viele Skulpturen standen. Es war das Atelier von Ernst Oldenburg, den ich eines Tages mutig mit meiner Mappe besuchte um ihn zu fragen, ob ich wohl Talent hätte. Er meinte ja und nach einigen Besuchen hatte er auch meine Lebenssituation erfragt. Er rief meine Eltern an und bat sie mich zu unterstützen. Vielleicht waren sie ja sogar ein bisschen stolz auf mich aber für derartige Dinge war kein Raum. Die Krankheit beherrschte alles.

Ich fühlte mich schuldig und malte weiter. Ich malte weiter und fühlte mich schuldig und wieder von vorn.....ich musste weg, wollte das alles gut wird, alles schön ist.
Ich wollte eine eigene Familie, ich malte. Ich schmiss die Schule, heiratete mit 19 bekam meine erstes Kind mit 20 und ging arbeiten, um meinem damaligen Mann ein Studium zu ermöglichen. Ich arbeitete Vollzeit und malte, meine Mutter starb im Alter von 46 Jahren. Ich war 22 und bekam noch ein Kind. Ich malte und fühlte mich schuldig. Die Ehe war geprägt von seelischer Grausamkeit und trotzdem, ich hielt es lange aus.
Mit Ende 20 hatte ich dann zwei wunderbare Mädels, eine große Menge an Bildern und meine Freiheit zurück.
Ich malte, machte mein Abitur nach, lernte meinen jetzigen Mann kennen, bekam unseren Sohn und begann zu studieren.Germanistik und Theologie auf Lehramt.

Noch immer malte ich aber ein Kunststudium? Ich hatte zuviel Angst, das man mir sagen könnte ich sei komplett talentfrei. Bis ich dann einen Zusammenbruch hatte, eine Therapie machte und danach den Mut hatte mich einer Aufnahmeprüfung zu stellen und oh Wunder es klappte.

Ich male.....